Schimmel im Neubau

Schimmel im neuen Gebäude

Oktober 19, 2015

Schimmel im Neubau die größte Katastrophe

Vor allem für alle Baubeteiligte, denn ist der ungeliebte Schimmelpilz erst einmal gewachsen und zeigt seine Auswüchse durch schwarze Flecken an den Wänden, werden die neuen Eigentümer hysterisch. Verständlich, dass bei Schimmel im Neubau noch mehr Emotionen bei den Beteiligten hochkommen, als bei Schimmel im Altbau.

 

Ich vergleiche dies immer mit folgendem Beispiel:

Stellen Sie sich einmal vor, Sie haben sich einen neuen Mittelklasse-Wagen mit allen technischen Schnickschnack bestellt. Der Tag der Übergabe durch das Autohaus steht bevor. Die Vorfreude wird immer größer. Der Autoverkäufer übergibt Ihnen nun Ihr neues Traumauto und erklärt Ihnen, wie Sie mit der Technik umgehen sollen. Sie fahren nun mit großer Freude nach Hause.

Plötzlich, oh Schreck, eine tiefe Beule am Seitenschweller. Die Freude ist dahin, Wut und Enttäuschung macht sich breit. Sie rufen sofort den Autoverkäufer an und schildern ihm die Angelegenheit.

Dieser wird wahrscheinlich sagen: „Ich habe Ihnen das Fahrzeug einwandfrei übergeben.“

Sie werden noch wütender, denn Sie sind sich ganz sicher, dass Sie nicht für den Schaden verantwortlich sind. So beginnt eine Auseinandersetzung, bei der keiner der Beteiligten gewinnen kann. Sie müssen vielleicht selbst den Schaden beheben lassen. Das kostet Ihr Geld und der Autoverkäufer wird Sie nicht mehr als Kunden haben. Somit verliert er auch sei Geld sowie auch sein Ansehen.

Ähnlich sieht es bei Schimmel im Neubau aus

Sie sind froh, dass Sie nun endlich in Ihr neues Heim einziehen können Der Übergabetermin durch den Bauträger wurde eingehalten und der Umzug konnte termingerecht vollzogen werden. Die ganze Familie hat mit angepackt und alle sind glücklich nun im neuen Haus leben zu können. Sie machen eine Einweihungsparty und zeigen Ihren Freunden und Bekannten ebenfalls voller Stolz Ihr neues Haus.

Nach ca. 8 Wochen, dann der Horror, Schimmel im Schlafzimmer und Kinderzimmer. Fruchtbare schwarze Flecken in den Ecken und  der Fenster Laibung.

Sie rufen sofort den Bauträger an und melden ihm die Schimmelflecken mit der Bemerkung: „Das muss ein Baumangel sein, er sei dafür verantwortlich und möge sich sofort um die Schadensbeseitigung kümmern.“

Der Bauträger wird sich die Sache in der Regel kurzfristig vor Ort anschauen, da Sie ja noch 5 % der Bausumme als Sicherheitseinbehalt zurückgehalten haben.

Dann wird der Bauträger behaupten, dass Sie falsch gelüftet und geheizt haben.

Und so beginnen aus unserer Erfahrung die meisten  Auseinandersetzungen bei Schimmel im Neubau.

Aus dem Traumhaus wird ein Horrorhaus, denn mit Schimmel ist nicht zu spaßen. Allergien, Atemwegserkrankungen bis hin zu Krebs können durch Schimmelbildung im Neubau ausgelöst werden.

Gerade auch weil es sich um ein neues Haus handelt, kochen die Emotionen weit höher als bei einem gebrauchten Haus. Denn es steht nicht nur die Gesundheit auf dem Spiel, auch der Wert Ihrer Immobilie könnte sich drastisch mindern und Ihre Zukunftsplanung komplett aus dem Ruder werfen.

Auseinandersetzungen bei Schimmel im Neubau gehen für alle Beteiligte richtig ins Geld. Schadenssummen zwischen 15.000 € und 50.000 € sind keine Seltenheit mehr, denn schließlich geht es ja um einen Neubau und in der Regel um Ihr Traumhaus.

Und wer lässt sich schon Träume durch Schimmel im Neubau zerstören?

Damit Ihnen so etwas nicht passiert haben wir Ihnen hierzu ein paar Tipps zusammengestellt, sodass Sie nicht zu den Enttäuschten zählen, die Schimmel im Niedrigenergiehaus, im passiven Haus, im massiv gebauten Haus oder ganz einfach nur in Ihrem Traumhaus bekommen.

Zunächst einmal wollen wir schauen, wie der Schimmelpilz überhaupt wachsen konnte.

Definitiv klar ist, dass die Feuchtigkeit viel zu hoch war oder noch ist.

Schimmelsporen benötigen ca. 70-80 % relative Luftfeuchtigkeit um Ihr Wachstum starten zu können. Ist dieser Wachstumsprozess einmal eingeleitet, (dies kann nach wenigen Tagen der Fall sein), benötigt der Schimmel noch rund 70 % relative Luftfeuchtigkeit um weiter wachsen zu können. Einige Tage oder Wochen später, können sich dann die unbeliebten schwarzen Flecken zeigen. Diese sind dann der Grund für eine Negativspirale sind die viel Zeit, Nerven und Geld kosten.

Woher kommt denn diese hohe Feuchtigkeit?

Wenn es sich nicht tatsächlich und offensichtlich um einen Baumangel handelt, kommt diese Feuchtigkeit nicht nur durch die Nutzung des Gebäudes, sondern in der Regel ist das noch Restfeuchtigkeit, die während der Bauphase nicht austrocknen konnte.

Sollte es sich in Ihrem Fall um ein massiv gebautes Haus handeln, können Sie davon ausgehen, dass sich hier noch hunderte, wenn nicht sogar tausende Liter Wasser in den Bauteilen befinden. Diese Feuchtigkeit sitzt noch in den Decken, Wänden, Putz und Estrich.

Wieso sind die Bauteile denn noch feucht?

Die Baustoffe, die wir verwenden (Putz, Beton, Estrich), werden mit sehr viel Wasser angerichtet, um Sie verarbeiten zu können. Diese Feuchtigkeit bindet die Bestandteile und führt dazu, dass wir überhaupt  Wände, Decken und Estrich errichten können.  Mit Verlauf der Bauzeit trocknen diese Stoffe zwar langsam aus, aber im Kern bleibt noch sehr viel Restfeuchte übrig.

Nun kommt das eigentliche Dilemma, wir haben zu wenig Zeit:

Spatenstich am 1. Mai und Einzug noch vor Weihnachten, so der Wunsch vieler Bauherren und natürlich auch vieler Bauträger.

Denn je schneller wir bauen, desto mehr Umsatz haben die Unternehmen.

Und für Sie ist das auch angenehm, weniger Bauzeit schont Ihren Geldbeutel bei der Doppelbelastung durch Miete und Zinsen.

Während dieser kurzen Bauzeiten kann Ihr neues Haus unmöglich richtig austrocknen.

Schimmel im Neubau

Früher hatte man mehr Zeit, der Rohbau wurde bis Weihnachten fertiggestellt und konnte dann in Ruhe bis zum Frühjahr austrocknen bevor die weiteren Arbeiten fortgesetzt wurden.

Heute kommt dann noch erschwerend dazu, dass die Häuser nahezu wind- und luftdicht gebaut werden, was wiederum dazu führt, dass so gut wie kein natürlicher Luftwechsel vorhanden ist.

Früher sorgte dieser natürliche Luftwechsel dafür, dass Feuchtigkeit und Schimmel kein Problem darstellten.

Die Feuchtigkeit wurde über Ritzen und Fugen abgeführt. Neben den rechtlichen Aspekten, bei denen oft ein Sachverständiger eingeschaltet werden muss, kommen oft gesundheitliche Probleme hinzu, insbesondere in der Schwangerschaft.

Tipp Nr. 1:

Wenn es Ihr Geldbeutel und Ihre persönliche Situation zulassen, nehmen Sie sich Zeit für Ihr Traumhaus, damit Sie das Risiko der Schimmelbildung und weiterer Baumängel ausschließen können.

Tipp Nr. 2:

Sollten Sie diese Zeit nicht haben, sprechen Sie mit Ihrem Bauträger oder Architekten über eine technische Bautrocknung während der einzelnen Bauphasen.

Dies kostet  zwar ein wenig mehr Geld, aber Sie können dann sicher sein, dass Schimmel im Neubau durch Baufeuchtigkeit fast auszuschließen ist.

Natürlich ist es auch für die Qualität Ihres Hauses besser, da Einbauteile, wie Holzfenster, Parkett, Holztreppen, Küchen und Einbauschränke vor schädlicher Feuchtigkeit geschützt werden und keinen Schaden nehmen.

Sollten Sie keinen dieser Tipps umsetzen können/wollen, setzen Sie sich einem sehr großen Risiko aus,  dass in Ihrem Neubau Schimmelpilze wachsen werden.

Aber es gibt auch eine dritte Möglichkeit; Sie müssen es selbst in die Hand nehmen.

Tipp Nr. 3:

Sie müssen Konsequent heizen und lüften und falsches Lüften vermeiden:

Auch wenn Sie ein Niedrigenergiehaus gebaut haben sollten (außer Sie haben in Holzbauweise gebaut), müssen Sie in den ersten zwei bis drei Jahren mehr Heizenergie einbringen, um die Feuchtigkeit aus den Bauteilen verdampfen zu können. Sie sollten Sie mehrmals am Tag durch intensiv Stoßlüften.

Achten Sie darauf, wie sich die Feuchtigkeit tendenziell entwickelt.

Am besten schaffen Sie dies in den kühleren Wintermonaten, denn hier ist die Feuchtigkeit in der Außenluft in der Regel sehr viel geringer als in Ihrer Raumluft.

So schaffen Sie es, dass die Feuchtigkeit in Ihrem Neubau abgeführt wird. Somit wird das Risiko, dass Schimmel in Ihrem neuen Haus wächst von Tag zu Tag geringer.

Tipp Nr. 4:

Verwenden Sie zur Erfolgskontrolle  sogenannte Lüftungshelfer für Temperatur und Feuchtigkeit. Sie haben mit diesen Geräten die Möglichkeit über einen längeren Zeitraum Ihr Raumklima aufzuzeichnen und auszuwerten.

Am besten verwenden Sie solche Lüftungshelfer, die auch die Fenster Position mit registrieren und auswerten. Dies hat den Vorteil, wenn es trotz aller Bemühungen zu einem Schimmelschaden in Ihrem Neubau kommen sollte, Sie auch Ihr Lüftungsverhalten dokumentieren können.

In  der Auseinandersetzung mit dem Bauträger hat das dann enorme Vorteile für Sie, da Sie Ihr Raumklima und Lüftungsverhalten dokumentiert haben. Das verbessert Ihre Position erheblich.

 

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