Frage an den Rechtsexperten Teil 3

Frage an den Rechtsexperten Teil 3

Haftet ein Sanierer für die fachgerechte Durchführung der Arbeiten ?

Urteil Landgericht Wuppertal vom 15.5.2014

In einem interessanten Urteil hatte das Landgericht Wuppertal zu prüfen, ob das Sanierungsunternehmen selber für eine Schimmelpilzproblematik in Wohnungen haftet.

Der Fall

Ein Mieter entdeckt in Schlafzimmer und Küche Schimmel und benachrichtigt den Vermieter. Der Vermieter beauftragt ein Sanierungsunternehmen, das fast einen Monat Trocknungsgeräte aufstellt und auch ein Bücherregal abbaut. Später zeigt sich, dass der Schimmelpilzschaden so schlimm ist, dass der Mieter während der umfangreichen Sanierung ausziehen muss. Der Leitungswasserversicherer des Vermieters zahlt den Schaden und die Sanierung, ist aber der Auffassung, die Sanierungsfirma habe den Schaden verschlimmert. Der Versicherer nimmt daher den Sanierer für die aufwendige Reinigung der Wohnung, den Mietausfall  und Gutachterkosten in Höhe von fast 10.000,- € vor Gericht in Regress.

Die Entscheidung

Das Landgericht stellt grundlegend fest, dass der beauftragte Sanierungsunternehmer haftet, wenn er den Schimmelpilzbefall verschlimmert. Der Sanierer wird regelmäßig aufgrund eines Werkvertrages mit dem Vermieter oder dem Versicherer tätig. Daher trifft den Sanierer die in §§ 634 ff. BGB vorgesehene strenge Gewährleistungshaftung. Ausdrücklich erkennt das Landgericht eine Verantwortlichkeit des Sanierers, wenn die Trocknungsmaßnahmen die Schimmelsporen in der Wohnung erst verteilen und dann viel aufwendigere Sanierungsarbeiten erforderlich werden. Daher hat das Gericht ein Gutachten eingeholt, das klären sollte, ob der Sanierer den Schimmelpilzschaden vergrößert hat. Lufttrocknungsgeräte können in der Tat bei ihrem Einsatz in geschlossenen Wohnräumen zur Ausbreitung von Schimmelpilzsporen an bisher nicht befallenen Stellen führen und dadurch den Schaden ganz erheblich verschlimmern. Es ist wohl gar nicht so selten, dass mit dem Aufstellen von Lufttrocknungsgeräten mit „Kanonen auf Spatzen“ geschossen wird, zumal die Sanierungsfirma häufig ihre Vergütung nach Einsatzdauer der Trocknungsgeräte berechnet. Der Gerichtssachverständige sah durchaus Anhaltspunkte dafür, dass die Geräte in der betroffenen Wohnung die Raumluftbelastung verschlechtert und neuen Schimmelpilzbefall an bisher nicht betroffenen Stellen hervorgerufen haben. Diese Fallgestaltung schätze der Gerichtsgutachter nach seinen Untersuchungen mit 50 % ein. Aber auch die Möglichkeit, dass der Schimmelpilzbefall schon vor den Arbeiten des verklagten Sanierers so erheblich war, dass eine aufwendige Sanierung erforderlich war, betrage 50 %.

Das Gericht wies daher die Klage aus Beweislastgründen ab. Eine hälftige Wahrscheinlichkeit reiche – so das Gericht – für eine Verurteilung des Sanierer nicht aus. Das Urteil ist veröffentlicht unter LG Wuppertal, Urteil vom 15.5.2014, 17 O 55/13.

Folgen für Wohnungswirtschaft, Sanierer, Versicherer

Der dem Urteil zugrunde liegende Fall zeigt die Problematik bei der Sanierung von Schimmelpilzbefall von Wohnungen im Ganzen auf. Schimmelpilz führt häufig zur Mietminderung. Der Vermieter hat Baumängel auszuschließen, aber den Mieter vor allem auch auf richtiges Heizen und Lüftung hinzuweisen, vor allem nach Fensterwechsel. Streiten Mieter und Vermieter häufig, ob ein Wohnungsmangel oder fehlerhaftes Lüften für Schimmelpilz die Ursache ist, so wird es im Sanierungsfall noch unübersichtlicher, weil jetzt das Sanierungsunternehmen und ggfs. auch ein Versicherer hinzutritt. Durch die Beteiligung weiterer Stellen und Personen mit divergierenden Interessen, werden die Rechtsverhältnisse naturgemäß schwieriger. Daher sollte der Vermieter auf eine genaue Korrespondenz achten. Weiter sind Verträge schriftlich abzuschließen, damit die Beteiligten wissen, welche Rechte und Pflichten daraus konkret resultieren. Kommt es zu einer Sanierung so sollten Vermieter und Sanierer vor Arbeitsbeginn auf eine genaue Schadensaufnahme achten. So sieht es im übrigen eine Richtlinie zum sachgerechten Umgang mit Schimmelpilzschäden vor, die die Versicherungswirtschaft mit dem Bundesverband der Sachverständigen herausgegeben hat.

Zusammenfassung

Eine Sanierung des Schimmelpilzschadens in Wohnungen erfordert eine vorherige sachkundige und dokumentierte Schadensaufnahme. Ansonsten droht ein Rechtsstreit wie vor dem Landgericht Wuppertal mit Ärger, Kosten und einem ungewissen Ausgang.

Vermieterpflicht nach Einbau neuer Fenster

Vermieterpflicht nach Einbau neuer Fenster

Schimmelpilz führt häufig zur Mietminderung. Der Vermieter hat Baumängel auszuschließen, aber den Mieter vor allem auch auf richtiges Heizen und Lüftung hinzuweisen, vor allem nach Fensterwechsel. Wie dies technisch zu erfolgen hat, dazu hat das Gericht noch keine Stellung nehmen müssen. In einem viel beachteten aktuellen Urteil des Landgerichtes Gießen vom im April dieses Jahres weist das Landgericht Gießen den Vermietern von Wohnraum die vertragliche Pflicht zu, den Mieter nach einem Fensterwechsel zum ordnungsgemäßen Lüften anzuhalten. Kommt es zu Feuchtigkeitsschäden hat der Vermieter nicht nur zu beweisen, dass die Mietsache keine Baumängel aufweist. Lässt der Vermieter neue Fenster einbauen, muss er weitere Vorkehrungen gegen Feuchtigkeit treffen.

Ein Mieter hatte den Mietzins wegen Schimmelbefall in seiner Wohnung gekürzt. Der Vermieter verklagte den Mieter auf Mietnachzahlung, aber auch auf Kosten der Schimmelbeseitigung. Der Gerichtssachverständige kommt in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass wegen der neuen Isolierverglasung zur Vermeidung von Schimmel Stoßlüftungen von 5 Mal jeweils 5 bis 10 Minuten erforderlich sei und zudem die Möbel nur in einem Abstand von 10 cm von den Außenwänden aufzustellen seien. Der Vermieter gewinnt noch in erster Instanz vor dem Amtsgericht mit der Begründung, ein Baumangel sei nicht gegeben.

Die Entscheidung

Das Landgericht gibt aber dem Mieter Recht. Eine Haftung des Mieters für Schimmelpilz komme nur in Betracht, wenn dieser den Schimmel durch nicht ausreichendes Heizen oder Lüften selber verursacht habe. Kommt es zu Schimmelpilz hat der Vermieter auch weiterhin zu beweisen, dass die Mietsache frei von Baumängeln an Fenster, Türen, Heizung ist und etwa keine Wärmebrücken aufweist. Die Mietwohnung müsse aber nicht nur vor Feuchtigkeit von außen geschützt werden, sondern was die Raumthermik betrifft, auch von Kondensatbildung von innen, wie die Kammer meint. Ausdrücklich führt das Gericht weiter aus, dass die Lüftung ebenfalls Sache des Vermieters ist, wenn neue dichte Fenster ins Haus kommen. Der Vermieter könne dann etwa eine Lüftungsanlage einbauen oder den Mieter auf den erhöhten Lüftungsbedarf hinweisen. Ohne Abrede dürfe der Mieter davon ausgehen, 2 Mal täglich zu je 10 Minuten stoß- oder quer zu lüften und nach dem Trocknen der Wäsche zusätzlich. Dass im konkreten Fall – wie sachverständig festgestellt – nur 5maliges Lüften den Schimmel verhindert hätte, ohne dass der Mieter darauf hingewiesen worden sei, begründe die volle Verantwortlichkeit des Vermieters. Der Mieter darf kürzen. Die Renovierung zahlt der Vermieter. (Nachzulesen ist das Urteil auch unter LG Gießen 1 S 199/13, Fundstelle IMR 2014, 369).

Folgen für die Wohnungswirtschaft

Das Urteil stellt für Schimmelschäden die mieterfreundliche Sachmängelhaftung nach §§ 536 ff. BGB in dankenswerter Klarheit zusammen. Tritt Schimmelpilz auf, hat der Vermieter die volle Beweislast. Interessant ist an dem Urteil, dass der Vermieter auch haftet, wenn kein Gebäudemangel vorliegt. Der Vermieter hatte ja gerade neue, dichtschließende Fenster einbauen lassen und sicher gehofft, die Wohnung damit qualitativ hochwertig auszustatten. Die Haftung des Vermieters begründet die Kammer auch nicht mit einem Baumangel, sondern damit, dass der Vermieter nicht für Lüftung gesorgt hatte. Ausdrücklich führt das Gericht aus, der Vermieter müsse den Mieter keineswegs nur vor Feuchtigkeit von außen schützen. Bekanntermaßen sind gerade Wohnungen nach einer Modernisierung von Schimmelpilz betroffen, insbesondere nach dem Einbau neuer Fenster. Dabei muss nicht der Mieter von sich aus seine Lüftungsgewohnheiten ändern oder sich erkundigen. Wenn er seine Lüftungsgewohnheiten einfach beibehält, haftet nicht er für Schimmel und Feuchtigkeit, sondern regelmäßig der Vermieter. Das Gericht schreibt der Wohnungswirtschaft nicht ausdrücklich vor, was nach einem Fenstereinbau zu tun ist. Die Kammer führt aus, etwa eine Lüftungsanlage komme in Betracht, wenn diese einen erforderlichen Luftaustausch gewährleiste. Ansonsten sei aber auch ein Hinweis an den Mieter ausreichend, wie zu lüften sei. Dabei wird das Gericht ziemlich konkret: Ohne Hinweis müsse der Mieter 2 Mal morgens und abends stoß- bzw. querlüften, jeweils 10 Minuten. Auch nach dem Wäschetrocknen müsse der Mieter von sich zusatzlüften. 5maliges Lüften könne ohne Hinweis an den Mieter nicht verlangt werden. Dankbar werden die Mieter zur Kenntnis nehmen, dass das Gericht ihr Recht bestätigt, die Möbel an jedem beliebigen Platz aufzustellen, sogar nah der Außenwand. Auch hier ist das Gericht in bester Gesellschaft und bezieht sich auf ein mietrechtliches Standardwerk. Auch für Schimmel hinter Schränken haftet daher der Vermieter regelmäßig.

Frage an den Rechtsexperten Teil 3

Frage an den Rechtsexperten Teil 2

Kann der Mieter bei Schimmel in der Wohnung den Mietzins mindern?

Minderungsrechte des Mieters

Der Mieter kann den Vermieter häufig vor den Gerichten wegen Schimmelpilz erfolgreich in Anspruch nehmen. Das Mietrecht sieht für den Vermieter eine strenge Haftung für jeden Sachmangel vor, also bereits immer dann, wenn die tatsächliche Beschaffenheit der Wohnung von der vertraglichen Sollbeschaffenheit abweicht, §§ 536 ff. BGB. Eine Haftung setzt zwar eine Schimmelpilzanzeige des Mieters voraus. Der Bundesgerichthof hat aber betont, dass diese Anzeige auch bei einer Verschlimmerung nicht ständig wiederholt werden muss. Zeigt sich in der Wohnung Schimmelpilz, so muss der Vermieter regelmäßig beweisen, dass das Gebäude den allgemeinen Regeln der Bautechnik entspricht, wie die häufig letztinstanzlich tätigen Landgerichte betonen. Der Vermieter ist für den Bauzustand der Wohnung zivilrechtlich zwingend verantwortlich. Seiner Haftung kann der Vermieter letztlich nur entgehen, wenn er beweist, dass sein Gebäude in Ordnung ist und der Schimmel davon herrührt, dass der Mieter nicht richtig lüftet.

Schimmelpilz in der Wohnung

Feuchtigkeit in der Wohnung gilt als Mietmangel, der zur Minderung des Mietzinses berechtigt. Dieser kann sich optisch durch Schimmelbildung bzw. Stockflecken oder auch als Gesundheitsgefahr für den Bewohner darstellen. Die Höhe der Minderung ist schwierig zu beurteilen und richtet sich nach den Einzelheiten des Falles. Bei völliger Aufhebung der Gebrauchstauglichkeit kann sogar eine Minderung von 100 % gerechtfertigt erscheinen.

Gründe für den Schimmel

Häufig sind gerade Wohnungen nach einer Modernisierung betroffen, insbesondere nach dem Einbau neuer Fenster. Dabei muss nicht der Mieter von sich aus seine Lüftungsgewohnheiten ändern oder sich erkundigen. Wenn er sein Lüftungsverhalten einfach beibehält, haftet nicht er, sondern regelmäßig der Vermieter für den Schimmel. Der Vermieter wird daher verpflichtet sein, den Mieter mit Hilfe eines Architekten, eines Sachverständigen oder eine technischen Hilfe über die erforderliche Lüftung aufzuklären. Erst wenn der Mieter nach sachgerechter Aufklärung an seinem unzureichenden Lüften festhält, geht die Haftung für Schimmelpilz auf ihn als Mieter über. Aber auch Fehler in der Dachhaut, der Dämmschicht, der Dampfsperre oder Leitungsundichtigkeiten kommen als Ursache für Feuchtigkeit und Schimmel in Betracht. In manchen Fällen sind Wärmebrücken oder fehlerhafte Dämmung Auslöser für Schimmelpilz in der vermieteten Wohnung.

Lüftungsumfang

Fest steht, dass der Mieter im Rahmen der pfleglichen Behandlung der Mietsache lüften muss. In der Rechtsprechung wird immer wieder diskutiert, was zumutbares Lüften durch den Mieter beinhaltet. Vorübergehendes Schrägstellen der Fenster reicht häufig nicht aus. Am besten geeignet ist Quer- oder jedenfalls Stoßlüftung, damit Frischluft in alle Ecken der Wohnung eindringt. Mangelhaft ist eine Wohnung auch dann, wenn nur übermäßiges und daher unwirtschaftliches Lüften Schimmel vermeidet.

Stand der Möbel

Zur vom Mietvertrag zu gewährleistenden Wohnung gehört regelmäßig das Recht des Mieters, seine Möbel an jedem beliebigen Platz aufzustellen, sogar an die Außenwand. Das gilt jedenfalls, wenn ein gewisser Mindestabstand durch eine Fußleiste garantiert ist. Nur wenn ausnahmsweise die Mietvertragsparteien wegen drohender Feuchtigkeitsschäden vertraglich eine andere Regelung vornehmen, ist diese bindend und der Vermieter kann das Abrücken der Möbel von der Wand verlangen.

Zusammenfassung

Schimmelpilz führt häufig zur Mietminderung. Nur eine baumangelfreie Wohnung und ein ordnungsgemäßes Lüften durch den Mieter schützen den Vermieter vor den Ansprüchen des Mieters. Zudem sollte der Vermieter juristisch gut beraten sein.

Es soll aber auch ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass dieser Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit aller aufgeführten Punkte geben kann, da sich die Rechtslage laufend anpasst und hier sicher keine juristische Beratung erfolgen kann und darf! 

Frage an den Rechtsexperten

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Inhalt

Was tun, wenn der Mieter Schimmel in der Wohnung rügt ?

Lohnt sich ein Rechtsstreit zwischen Vermieter und Mieter ?

Gibt es Alternativen ?

 

Bedeutung von Rechtsstreiten

Rechtsstreite nehmen einen großen Raum in unserer Gesellschaft ein. Zivilrechtsstreite betreffen dabei Bürgerinnen und Bürger in ganz unterschiedlichen Situationen, vor allem aber in Unfällen, bei Mietverhältnissen, in Bauvorhaben und anderen Dienstleistungen.

Diese Konflikte müssen zwar im Interesse der Gerechtigkeit, der Sicherheit der Bürger, aber auch im wirtschaftlichen Interesse von Bürgerinnen und Bürgern geführt werden. Gleichermaßen im Interesse der Beteiligten wie auch der Gesellschaft insgesamt liegt es aber auch, Konflikte zu verhindern und etwaige Konflikte zu lösen. Einen breiten Raum nehmen die Bemühungen von Unternehmen und Privaten ein, aus wirtschaftlichen Gründen und Imagegründen, Konflikte und vor allem Rechtsstreite in seiner Entstehung und seinem Verlauf zu verhindern. Gerade ein Streit zwischen Vermieter und Mieter um Schimmelpilz zeigt dies deutlich.

Der Rechtsstreit um den Schimmelpilz in der Wohnung

Im Vergleich mit anderen Ländern kann man dem deutschen Zivilprozess nach wie vor auch gute Seiten abgewinnen. In der internationalen Studie “The World Justice Projekt” erreichte der deutsche Zivilprozess unter weltweit 66 Staaten bzw. europaweit unter 12 Staaten Platz 2 hinter Norwegen. Untersucht wurde verschiedene Kriterien wie Laufzeit, Unabhängigkeit, Kosten-Nutzen-Relationen. http://worldjusticeproject.org/sites/default/files/wjproli2011_0.pdf.

Redet man mit Bürgern einmal offen, so wird aber auch Kritik an Prozessen vor den staatlichen Gerichten geäußert (vgl. Gralla/Sundermeier, BauR 2007, 1961, 1965 f, Schröder, Die statistische Realität des Bauprozess, NZBau, 2008, 1 ff). Bei Schimmelpilzprozessen zeigt sich besonders, dass Aufwand und Ertrag für beide Parteien in einem sehr ungünstigen Verhältnis stehen.

Rechtliche Grundlagen im Schimmelpilzprozess

Der Vermieter kann häufig vor den Gerichten wegen Schimmelpilz erfolgreich in Anspruch genommen werden. Das Mietrecht sieht für den Vermieter eine strenge Haftung für jeden Sachmangel vor, also bereits immer dann, wenn die tatsächliche Beschaffenheit der Wohnung von der Sollbeschaffenheit abweicht, §§ 534 ff. BGB. Zeigt sich in der Wohnung Schimmelpilz so muss der Vermieter beweisen, dass das Gebäude den allgemeinen Regeln der Bautechnik entspricht, wie die häufig letztinstanzlich tätigen Landgerichte betonen. Seiner Haftung kann der Vermieter letztlich nur entgegen, wenn er in einem gerichtlichen Gutachten beweist, dass sein Gebäude in Ordnung ist und der Schimmel davon herrührt, dass der Mieter nicht richtig lüftet. Der Vermieter ist daher gezwungen, hohe Vorschüsse für Rechtsanwalt, Gericht und Gutachten zu zahlen. Nach den Gebührenordnungen entstehen bei einem typischen Streitwert von 6000,- € nur für Anwälte und Gericht in der ersten Instanz bereits rund 2650,- €. Hinzuzurechnen sind die Gutachterkosten. Eine einfache Kostenrechnung für einen typischen Fall lautet dabei: Einigen sich die Parteien nach einem Gutachten, das beispielweise 1.500,- € kostet, vor Gericht ihr Mietverhältnis aufzulösen und die Kosten gegeneinander aufzuheben, so zahlt jede Partei rund 2.400,- €.

Verhandlungslösung

Bevor ein formelles Verfahren, also etwa der Schimmelpilzprozess, eingeleitet wird, kommt es fast ausnahmslos zu einem persönlichen oder schriftlichen Kontakt der Parteien. Dazu gehört etwa die vorgerichtliche anwaltliche Schimmelpilzanzeige des Mieters. Häufig wird die Möglichkeit, den Konflikt mit einem Gespräch zu bereinigen, nicht oder nur halbherzig wahrgenommen. Persönlich oder auch auf schriftlichem Wege können die Vertragsparteien einen Vergleich nach § 779 BGB schließen, der ihre Rechte und Pflichten weitgehend bindend bestimmt. Kommt es zum Schimmel in der Wohnung, können die Parteien den Konflikt schnell und kostengünstig beenden, in dem sie eine etwa eine umfangreiche Bausanierung vornehmen oder eine Lüftungsmaßnahme vereinbaren. Verschwindet dann der Schimmel, ist auch der Konflikt und seine Kosten erledigt.

Schimmelpilz-Mediation

Während im Zivilprozess wie auch im schiedsgerichtlichen Verfahren ein Richterspruch oder auch ein normorientierter Vergleich erfolgt, ist in der Mediation Ziel eine Konfliktregelung durch die beteiligten Streitparteien selber. Der Mediator entscheidet nicht, sondern hilft den Parteien, einen eigenverantwortlichen, autonomen Konsens zu erarbeiten. An der Mediation können nicht nur Kläger und Beklagter, sondern weitere betroffene Parteien, etwa Subunternehmer oder der Versicherer, mitwirken. Mediation beruht auf wissenschaftlichen Methoden, dem sog. Harvard Konzept. Das Verfahren der Mediation hat sich ohne Zweifel in diplomatischen Konflikten, aber auch in Tarifverhandlungen bewährt. Erste Grundlage ist die Freiwilligkeit und Vertraulichkeit, d.h. Mediation ist nicht öffentlich und findet auch nur statt, wenn die Parteien dies wollen. Der Mediator ist neutral, entscheidet nicht, sondern sorgt dafür, dass die Parteien mittels eines Gespräches eine beiden Parteien interessengerechte Lösung finden und nimmt schließlich die gefundene Regelung auf. Ziel ist eine sog. Win-Win-Lösung, die wiederum voraussetzt, dass die Konfliktparteien von ihren im Zivilrechtsstreit formulierten Positionen wegkommen und sich ihren eigentlichen, hinten den Positionen liegenden Interessen zuwenden. Das neue Mediationsgesetz regelt die Neutralität, die Verschwiegenheit, die Vollstreckung sowie die Anforderungen an sog. zertifizierte Mediatoren. Außerdem hat sich der Gesetzgeber für das Güterichterverfahren und damit gegen die Mediation durch Richter (bisherige gerichtsinterne Mediation) entschieden.

Eine erfolgreiche Mediation ist preiswerter und schneller als ein gerichtliches Verfahren, weil Rechtsmittelkosten und die Vergütung für Sachverständige nicht anfallen. Außerdem bleiben persönliche Verletzungen aus, was etwa im Erb- und Familienrecht ein großer Vorteil ist, aber auch dann, wenn die Parteien nach dem Streit weiter zusammenarbeiten wollen oder müssen.

In Schimmelpilz-Mediationen ungelöst ist die Frage der bautechnischen und baubiologischen Sachkunde. Die Mediatoren ziehen Sachverständige nicht von sich aus bei, so dass sich die Parteien vor einem Vergleich, der den technischen Gegebenheiten nicht entspricht, nur dadurch schützen können, dass sie selber einen Sachverständigen beauftragen und die Kosten dafür tragen.  Das Mediationsverfahren kann ein Verhandlungsmachtgefälle kaum ausgleichen. Eine gute Lösung für Schimmelpilzkonflikte kann die Shuttle-Mediation sein, die bei rechtsschutzversicherten Mietern nach den Versicherungsbedingungen z.T. auch kostenfrei für den Vermieter bleibt.

Auch gerade ein einvernehmlicher Einbau von Lüftungsinstrumenten dürfte in der Mediation geeignet sein, den Schimmelpilz-Konflikt zu beenden.

Schlichtung

Auch eine Schlichtung ist ein in Konflikten international und national erprobtes Verfahren. Besonderheit ist, dass der Schlichter die Sache mit den Parteien kurzfristig verhandelt und dann eine Entscheidung mit Empfehlungscharakter trifft, der dann erst mit der Annahme durch beide Parteien verbindlich wird. Solange die Schlichtung nicht gescheitert ist, kann im Regelfall eine Klage nicht wirksam erheben werden. Sinnvoll ist es, wenn der Schlichter selber Techniker ist. Ist der Schlichter Jurist, sollte er einen Sachverständigen hinzuziehen, wenn nicht beide Parteien bereits über ausreichenden Sachverstand verführen. Auch Schlichtungen schlagen Schimmelpilzprozesse unter Kosten- und Dauergesichtpunkten, wenn sie erfolgreich sind. Bestimmte Verbände aber auch einzelne Sachverständige prüfen, ob die als Schlichter beispielsweise in Schimmelpilzkonflikten tätig werden.

Zusammenfassung

Es gibt eine ganze Reihe von Lösungsmethoden in einem rechtlichen Konflikt, wenn es um Schimmelpilz geht. Alle Beteiligten sollten aber die mit dem Prozess einhergehenden Probleme und Kosten sehen und Alternativen beachten. Am sinnvollsten dürfte es immer sein, einen Konflikt um Schimmel in der Wohnung zu vermeiden. Liegt der Schimmel an fehlerhafter Lüftung, so kann der Vermieter einen Schimmelpilzkonflikt mit einer sinnvollen Lüftungstechnik vermeiden und damit Kosten und Ärger sparen.

Es soll aber auch ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass dieser Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit aller aufgeführten Punkte geben kann, da sich die Rechtslage laufend anpasst und hier sicher keine juristische Beratung erfolgen kann und darf!